Neue OECD-Studie zu Kinderarmut
Jedes sechste Kind in Deutschland ist arm
"Kinder haben ein Recht auf eine glückliche Kindheit"
Laut einer Anfang September von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) veröffentlichten Studie lebt jedes sechste Kind in Deutschland in relativer Armut. Von relativer Armut spricht man, wenn der Person weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens ihres Heimatlandes für den Lebensunterhalt zur Verfügung steht. Dieses Ergebnis ist umso erstaunlicher, als der deutsche Staat gemäß OECD-Berechnungen 10 bis 20 Prozent mehr für jedes Kind ausgibt, als die OECD Länder im Durchschnitt.
Ganz anders sieht es aus im Bereich Bildung. Die OECD kommt zu dem Schluss, dass Deutschland im Jahr 2006 4,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Bildung verwendete, während den Spitzenreitern USA und Dänemark die Ausbildung ihrer Kinder und Jugendlichen mehr als sieben Prozent des BIP wert war.
Besonders von Armut betroffen sind in Deutschland nach wie vor Alleinerziehende und ihre Kinder. Die Anzahl der armen Haushalte mit nur einem Elternteil liegt um 10 Prozent höher, als im OECD-Durchschnitt.
Kritik an der Studie kommt nicht nur von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die sich aufgrund der in der Studie hervorgehobenen Defizite im deutschen Bildungssystem missverstanden fühlt. Auch der Familienbund der Katholiken ist mit so mancher Aussage der Studie nicht einverstanden. Die Präsidentin des Familenbunds, Elisabeth Bußmann, hält die von der geforderte Kürzung des Kindergeldes für den falschen Weg, Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. "Familien brauchen nicht weniger, sondern im Gegenteil mehr Kindergeld", so Bußmann. Die OECD schlägt vor, die beim Kindergeld eingesparten Summen in Betreuungsangebote zu investieren, um so auch den Bildungsstandard in Deutschland zu verbessern. Bußmann hält dagegen:"Die vorgeschlagene Umschichtung der Familienförderung zugunsten von Betreuungseinrichtungen beschränkt (...) die Freiheit der Eltern, ihr Familienmodell selbst zu gestalten“.
Die OECD-Studie vergleicht die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlcihen bis 15 Jahren in 30 Mitgliedsländern. Untersucht wurden insgesamt sechs Bereiche: materielles Wohlergehen, Wohn- und Umweltbedingungen, Bildung, Gesundheit und Sicherheit, Risikoverhalten sowie Qualität des schulischen Umfelds.
Die OECD-Studie zum Herunterladen
Memorandum Kinderarmut - Deutscher Kinderschutzbund
Stellungnahme des Familienbunds der Katholiken
"OECD Kinderstudie geht von falschen Zahlen aus"
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