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Runder Tisch gegen Kinder- und Familienarmut richtet Forderungen an Mitglieder des Bundestages

Der Countdown bis zur Bundestagswahl läuft. In Wahlkampfzeiten sind die Vertreter und Vertreterinnen der Parteien besonders offen für soziale Anliegen. Diese Situation hat der „Runde Tisch gegen Kinder- und Familienarmut“ zum Anlass genommen, Mitglieder der verschiedenen Fraktionen im Bundestag einzuladen, um ihnen konkrete Forderungen zur Verbesserung der Situation von Kindern in Armut vorzutragen und gemeinsam realistische Lösungsansätze zu diskutieren. Der Diskussion gestellt haben sich am vergangenen Freitag: Klaus Benndorf (Piraten), Katja Dörner (Bündnis90/Die Grünen), Ulrich Kelber (SPD), Claudia Lücking-Michel (CDU), Gabriele Molitor (FDP), Paul Schäfer (Die Linke).

Die Forderungen des Runden Tisches gegen Kinder- und Familienarmut lauten:

  1. Kinderrechte müssen in die Verfassung aufgenommen werden.
  2. Das Bildungs- und Teilhabepaket muss durch einen einklagbaren Rechtsanspruch auf die grundlegenden Leistungen der Jugendarbeit zur Teilhabe ersetzt werden.
  3. Die Regelsätze (SGB II und XII) inklusive notwendiger einmaliger Leistungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, müssen den tatsächlichen Bedarfen angepasst werden.
  4. Die Mittel für Schulsozialarbeit müssen langfristig gesichert werden.
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Kinderarmut gemeinsam überwinden

Runder Tisch lädt am 5. Oktober zum Austausch ins Stadthaus

Kinderarmut lässt sich weder wegleugnen noch wegreden. Um substanzielle Verbesserungen für bedürftige Kinder zu erzielen, gilt es zu handeln. Welche Maßnahmen dafür hilfreich und welche Netzwerke schon vorhanden sind, thematisieren elf Workshops, zu denen die Initiative Runder Tisch gegen Kinderarmut am 5. Oktober 2012 einlädt. Der Titel der Forums-Veranstaltung beschreibt gleichzeitig das Ziel, das die Initiatoren aber auch alle interessierten Teilnehmer eint: „Kinderarmut überwinden“.

Fünf Jahr nach Gründung der Initiative Runder Tisch gegen Kinderarmut gibt es für die Akteure keinen Grund zu feiern. Stattdessen möchten sie – gemeinsam mit anderen Interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern – gangbare Wege zur Bekämpfung von Kinderarmut finden. „Trotz positiver Entwicklungen wie etwa geförderte OGS-Plätze oder kostenlose Mittagessen für bedürftige Kinder, gibt es noch einen enormen Bedarf, etwas für Kinder und Familien in Armut zu tun“, beschreibt Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bonn und Region den Anlass für das Forum.

13 Workshops spiegeln die Komplexität des Problems wider und zeigen gleichzeitig wie kreativ und erfreulicherweise manchmal auch unkompliziert das Thema angegangen werden kann. In diesem Sinne gibt es Workshops, die sich mit verschiedenen Beteiligungsformen für Kinder beschäftigen, ein Mentorenprojekt oder Fördermodelle vorstellen und erarbeiten. Spannend ist beispielsweise auch die Frage nach der Realisierbarkeit einer „Kulturtafel“, die nicht verkaufte Eintrittskarten an Menschen mit geringen Einkommen vergibt. „Kinderarmut lässt sich weder auf eine Ursache noch auf einen Verantwortlichen reduzieren. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich damit zu befassen“, so Udo Stein, Amtsleiter Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn. „Die Referenten der Workshops stehen deshalb für die verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche: Von den Wohlfahrtsverbänden, über Vereine bis hin zur Stadt Bonn sind Vertreter aktiv“, so Stein weiter. Die Workshops finden im Zeitraum von elf bis 16.00 Uhr statt und dauern jeweils eine Stunde.

Flankiert werden diese von einem „Markt der Möglichkeiten“ im Foyer des Stadthauses. Dort stellen zahlreiche Träger ihre Angeboten für Kinder und Jugendliche vor und laden zum Schauen und Austauschen ein. Zur Eröffnung des Forums spricht Familiendezernentin Angelika Maria Wahrheit ein Grußwort. Für Unterhaltung sorgen im Laufe des Tages neben Springmausmitglied Andreas Etienne auch das Chanson-Theater mit Simone Silberzahn und Melitta Bubalo.

„Als Runder Tisch gegen Kinderarmut verstehen wir es als unsere Aufgabe neben der kontinuierlichen Netzwerkarbeit regelmäßig laut zu sein, um immer wieder auf das Thema aufmerksam zu machen und Mitstreiter zu gewinnen. Darauf können sich die Bonner Kinder und Familien verlassen“, beschreibt Ulrich Franz von der gewerkschaftlichen Arbeitslosengruppe die Aufgabe des Runden Tisch gegen Kinderarmut.

Kinderarmut überwinden
Forum – Initiativen – Praxisbeispiele
5. Oktober 2012, 10:00-17:00 Uhr
Stadthaus, Berliner Platz 2

Um Anmeldung zur Workshopteilnahme wird gebeten.




Armutsgefährdungsniveau nahezu konstant

15,6 % der Bevölkerung im Jahr 2009 armutsgefährdet

WIESBADEN – Im Jahr 2009 waren durchschnittlich 15,6 % der Bevölkerung Deutschlands armutsgefährdet. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Basis der aktuellen Ergebnisse der Erhebung LEBEN IN EUROPA 2010 mit. Das Armutsgefährdungsniveau blieb damit insgesamt gegenüber dem Jahr 2008 (15,5 %) nahezu konstant.

LEBEN IN EUROPA stellt die amtlichen Sozialindikatoren zu Armut und sozialer Ausgrenzung für Deutschland („Bundesindikatoren“) bereit. Die Indikatoren sind EU-weit vergleichbar. Im Jahr 2010 wurden für die Erhebung 13 079 Haushalte mit insgesamt 23 531 Personen ab 16 Jahren zu ihren Einkommen und Lebensbedingungen befragt. Armutsgefährdet war, wer nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 11 278 Euro im Jahr beziehungsweise 940 Euro monatlich zur Verfügung hatte. Bezugszeitraum für die Er­hebung der Einkommen war das Vorjahr (2009).

Arbeitslose Menschen sind nach wie vor am stärksten armutsgefährdet. Im Jahr 2009 waren mehr als sieben von zehn Arbeitslosen (70,3 %) davon betroffen, unter den Erwerbstätigen war es dagegen nur etwa jede/r Vierzehnte (7,2 %).

Neben Arbeitslosen sind Personen in Haushalten von Alleinerziehenden die am stärksten armutsgefährdete soziale Gruppe in Deutschland: Bei 43 % dieser Personen lag 2009 eine Armutsgefährdung vor. Zum Vergleich: In allen Haushalten mit Kindern betrug die Armutsgefährdungsquote 14,6 %. Unter den allein lebenden Personen waren drei von zehn (30 %) im Jahr 2009 armutsgefährdet. In Haushalten von zwei Erwachsenen unter 65 Jahren traf dies auf etwa jede zehnte Person (10,3 %) zu.

Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA sowie methodische Erläuterungen und Publikationen sind auch über die Themenseite des Statistischen Bundesamtes erhältlich.

Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) hat die Ergebnisse der deutschen EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) – Erhebung 2010 in seiner Datenbank veröffentlicht. EU-Durchschnittswerte sind in der Datenbank der EU derzeit noch nicht verfügbar. Sie können erst ermittelt werden, wenn die Ergebnisse aus allen 27 Mitgliedstaaten vollständig verfügbar sind (bisher liegen aus etwa der Hälfte der Mitgliedstaaten Ergebnisse vor).

Für weitere amtliche EU-Statistiken steht unter www.eds-destatis.de der Europäische Datenservice (EDS) zur Verfügung.

Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA 2010 für ausgewählte Sozialindikatoren: zeige Tabelle




Neue OECD-Studie zu Kinderarmut

Jedes sechste Kind in Deutschland ist arm

"Kinder haben ein Recht auf eine glückliche Kindheit"

Laut einer Anfang September von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) veröffentlichten Studie lebt jedes sechste Kind in Deutschland in relativer Armut. Von relativer Armut spricht man, wenn der Person weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens ihres Heimatlandes für den Lebensunterhalt zur Verfügung steht. Dieses Ergebnis ist umso erstaunlicher, als der deutsche Staat gemäß OECD-Berechnungen 10 bis 20 Prozent mehr für jedes Kind ausgibt, als die OECD Länder im Durchschnitt.

Ganz anders sieht es aus im Bereich Bildung. Die OECD kommt zu dem Schluss, dass Deutschland im Jahr 2006 4,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Bildung verwendete, während den Spitzenreitern USA und Dänemark die Ausbildung ihrer Kinder und Jugendlichen mehr als sieben Prozent des BIP wert war.

Besonders von Armut betroffen sind in Deutschland nach wie vor Alleinerziehende und ihre Kinder. Die Anzahl der armen Haushalte mit nur einem Elternteil liegt um 10 Prozent höher, als im OECD-Durchschnitt.

Kritik an der Studie kommt nicht nur von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die sich aufgrund der in der Studie hervorgehobenen Defizite im deutschen Bildungssystem missverstanden fühlt. Auch der Familienbund der Katholiken ist mit so mancher Aussage der Studie nicht einverstanden. Die Präsidentin des Familenbunds, Elisabeth Bußmann, hält die von der geforderte Kürzung des Kindergeldes für den falschen Weg, Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. "Familien brauchen nicht weniger, sondern im Gegenteil mehr Kindergeld", so Bußmann. Die OECD schlägt vor, die beim Kindergeld eingesparten Summen in Betreuungsangebote zu investieren, um so auch den Bildungsstandard in Deutschland zu verbessern. Bußmann hält dagegen:"Die vorgeschlagene Umschichtung der Familienförderung zugunsten von Betreuungseinrichtungen beschränkt (...) die Freiheit der Eltern, ihr Familienmodell selbst zu gestalten“.

Die OECD-Studie vergleicht die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlcihen bis 15 Jahren in 30 Mitgliedsländern. Untersucht wurden insgesamt sechs Bereiche: materielles Wohlergehen, Wohn- und Umweltbedingungen, Bildung, Gesundheit und Sicherheit, Risikoverhalten sowie Qualität des schulischen Umfelds.

Die OECD-Studie zum Herunterladen

Memorandum Kinderarmut - Deutscher Kinderschutzbund

Stellungnahme des Familienbunds der Katholiken

"OECD Kinderstudie geht von falschen Zahlen aus"

 

Aktuelles

Kinderarmut überwinden
05.10.2012
Forum - Initiativen - Praxisbeispiele

 

Der Runde Tisch Kinderarmut lädt zum Austausch ins Stadthaus ein.

Aktuelles

RTKA gegen Streichliste der Stadt Bonn
"Der RTKA nimmt mit Empörung zur Kenntnis, dass in der Liste der anvisierten Sparmaßnahmen Sparvorschläge enthalten sind, die klaren Wahlversprechen widersprechen" (mehr...)

 

Erklärung der Evangelischen Kirche zur Kinderarmut in Deutschland

Armutsatlas Deutschland

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat zum ersten Mal einen Armutsatlas für Deutschland erstellt. Die Publikation bildet die unterschiedlichen sozialen Verhältnisse in den deutschen Bundesländern in den Jahren 2005 bis 2007 ab. (mehr...)

Ein Projekt stellt sich vor

Robin Good ist der gemeinsame Kinder- und Familienfonds des Diakonischen Werkes Bonn und Region - gemeinnützige GmbH und des Caritasverbandes für die Stadt Bonn e.V. Robin Good hilft Familien aus der Region Bonn, die in eine Notlage geraten sind. Anträge auf Unterstützung werden von den Sozialberatungsstellen der beiden Verbände entgegen genommen. (mehr...)

Oberbürgermeister-Wahl in Bonn 2009

Die Stellungnahmen der Bonner Oberbürgermeister-Kandidaten zum Thema "Bekämpfung der Kinderarmut in Bonn" sind weiterhin online abrufbar. (mehr...)