Drei Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland in Armut

Ursachen der Kinderarmut

Deutschland ist das Land mit der drittgrößten Volkswirtschaft. Dennoch gibt es in unserem Land immer mehr Kinder, die in Armut leben. Wie kommt es dazu? Wo liegen die Ursachen?

Tiefgreifende Veränderungen am Arbeitsmarkt

Normalarbeitsverhältnisse werden zunehmend zugunsten von Zeitarbeit und Teilzeitstellen abgebaut – vor allem im Niedriglohnsektor. Immer mehr Menschen fehlt es an einem ausreichenden Einkommen. Sie gehören zu den sogenannten „working poor“, denjenigen, die trotz einer oder mehrerer Arbeitsstellen zusätzlich Hilfe vom Staat benötigen, um sich und ihre Familie ausreichend zu versorgen. Gering Qualifizierte haben zunehmend weniger Chancen, überhaupt eine Anstellung zu finden. Ein Leben in Dauerarbeitslosigkeit – und somit in ständiger Abhängigkeit vom Staat – wird für sie immer wahrscheinlicher.

Traditionelle Lebensgemeinschaften werden seltener

Die traditionelle Familienstruktur – zwei Ehepartner und Eltern, die sich in Geld verdienen und Erziehung ergänzen – wird seltener und schafft somit mehrere Ursachen für Kinderarmut. Abgelöst wird sie von Ein-Eltern-Familien, Patchwork-Familien und nichtehelichen Partnerschaften. Vor allem alleinerziehende Mütter haben es schwer, für ein ausreichendes Einkommen zu sorgen. Da es an Angeboten für Ganztagsbetreuung nach wie vor mangelt, können viele Single-Mütter lediglich halbtags arbeiten. Hinzu kommt, dass Frauen grundsätzlich weniger verdienen als Männer. Sie sind deshalb eher von zusätzlichen Tranferleistungen abhängig.

Sozialstaat im Abbau

Mit der Einführung von Hartz IV hat sich die Zahl der in Armut lebenden Kinder verdoppelt. Der monatliche Regelsatz (237/270/306 Euro) ist zu niedrig, als dass er diese Kinder effektiv vor Armut schützen könnte. Die individuellen Bedürfnisse von Kindern in unterschiedlichen Altersklassen werden nicht berücksichtigt. Das hat im Februar 2010 das Bundesverfassungsgericht erkannt und bestehenden Verfahren der Regelsatzbemessung für Kinder für verfassungswidrig erklärt: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Bedarf, der zur Sicherstellung eines menschenwürdigen Existenzminimums gedeckt werden muss, hat sich an kindlichen Entwicklungsphasen auszurichten und an dem, was für die Persönlichkeitsentfaltung eines Kindes erforderlich ist.“ (BVerfG Urteil, 09.02.2010, 1 BvL 1/08, Rn. 191). Laut Einschätzung des Paritätischen ist das Verfahren weiterhin intransparent und fragwürdig.

Wie wird Deutschland sozialer?

Die verfügbare Arbeit sollte gerechter verteilt werden. Während manche Eltern ihre Kinder kaum noch zu sehen bekommen, weil sie in Arbeit versinken, können andere ihren Nachwuchs kaum ernähren, weil sie keine Stelle finden. Ein gesetzlich vorgeschriebener Mindestlohn würde es auch gering qualifizierten Beschäftigten ermöglichen, selbständig für ihre Familie zu sorgen. Eine flächendeckende, für jeden bezahlbare Ganztagsbetreuung vom Kleinkind bis zum Teenager in Krippen, Kitas, Ganztagsschulen gestattet es Alleinerziehenden, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Außerdem können so benachteiligte Kinder besser gefördert werden. Um Ghettobildungen in Städten entgegenzuwirken, müssen benachteiligte Städte aufgewertet werden, bezahlbarer Wohnraum in verschiedenen Stadtteilen zur Verfügung stehen.

10.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in Bonn in Armut, das sind 20% aller Kinder die in Bonn leben.

Ein Projekt stellt sich vor

Robin Good ist der gemeinsame Kinder- und Familienfonds des Diakonischen Werkes Bonn und Region – gemeinnützige GmbH und des Caritasverbandes für die Stadt Bonn e.V. Robin Good hilft Familien aus der Region Bonn, die in eine Notlage geraten sind. Anträge auf Unterstützung werden von den Sozialberatungsstellen der beiden Verbände entgegen genommen. (mehr…)