Presse
"Bonnerinnen und Bonner gegen Kinderarmut"
Runder Tisch gegen Kinderarmut veranstaltet Aktion auf Bonner Marktplatz
Mit einem bunten Programm machte am 29. August 2009 der
Runde Tisch gegen Kinderarmut (RTKA) Bonner Bürgerinnen und Bürger auf eine wenig beachtete Problematik aufmerksam. Allein in Bonn leben etwa 10.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Armut.
Für die Betroffenen bedeutet dies konkret ein Mangel an Nahrung, Gesundheit, Bildung und Entwicklungschancen - ein nicht zu akzeptierender Zustand, findet der RTKA. Die Mitglieder des Bündnisses setzen sich dafür ein, durch gezielte Maßnahmen, wie beispi
elsweise eine gezielte Förderung, eine verbesserte Gesundheitsfürsorge und kostenlose Angebote, die Situation der betroffenen Kinder zu verbessern.
Um Bonn für das Thema zu sensibilisieren, fanden am 29. August auf der großen Bühne vor dem Alten Rathaus Interviews mit Fachleuten, Gespräche mit Bürgern statt. Zwischendurch rappten, trommelten und tanzten Kinder- und Jugendgruppen für den guten Zweck.
"Kinder können sich nicht selbst aus Armut befreien"
80 Teilnehmer bei Zukunftskonferenz am
20. März 2008
Drei Millionen Kinder leben nach Zahlen des Deutschen Kinderschutzbundes in Deutschland in Armut – das ist etwa jedes sechste Kind. Zwei Drittel von ihnen sind Kinder von Hartz-IV-Empfängern. In Bonn leben etwa 10.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Armut. Welche Konsequenzen ein Aufwachsen in prekären Verhältnissen für die Kinder haben kann, erfuhren die Teilnehmer der gemeinsam vom Caritasverband Bonn und dem Diakonischen Werk Bonn ausgerichteten Konferenz „Zukunft mit Kindern leben – Gesunde Kinder, intakte Lebensräume“.
80 Gäste versammelten sich am 20. März 2009 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn. Auf dem Programm standen Vorträge der Pädagogin und Psychotherapeutin Dr. Antje Richter und des Erfurter Professors Dr. Ronald Lutz sowie eine Podiumsdiskussion mit den beiden Experten und der Bonner Ärztin Dr. Gisela Schulz.
Armut ist für Kinder ein Entwicklungsrisiko
Materielle Armut stellt die unterste und zugleich weitest reichende Form von Benachteiligung dar und schränkt die Handlungsspielräume des Menschen gravierend ein, macht Dr. Antje Richter in ihrem Referat „Gesundheit von Kindern in benachteiligten Familien“ klar. Materielle Armut bedeutet für Kinder ein Entwicklungsrisiko, denn sie vermindert die Bildungschancen, die Gesundheitschancen und die Teilhabe an den Aktivitäten der Gesellschaft. Kinder aus benachteiligten Familien wiederholen häufiger eine Klasse, machen in deutlich geringerer Zahl Abitur als Kinder aus wohlhabenden Familien. „Im deutschen Bildungswesen wird vor allem gefordert und selektiert und nicht gefördert und integriert“, stellt Richter fest.
Ein Grund für schulische Probleme können gesundheitliche Defizite sein. Benachteiligte Kinder leiden häufiger an Sprachstörungen, Einschränkungen im Sehen und Hören, Konzentrationsproblemen, Übergewicht und Essstörungen. Der derzeitige Hartz-IV-Satz für Kinder lasse den Eltern keinerlei Spielraum, so Richter. 2,62 € stehen neun bis 14-jährigen täglich für Lebensmittel zur Verfügung. Das sei zu wenig, um eine gesunde Ernährung zu gewährleisten. Eine zielgruppengerechte Gesundheitsförderung und nachhaltige Investitionen in die Bildung könnten die Chancen armer Kinder verbessern, meint Richter.
Armutsbekämpfung muss bei den Stärken der Menschen ansetzen
„Kinder können sich nicht selbst aus Armut befreien“, meint der Erfurter Professor Dr. Ronald Lutz. Er berät Kommunen zu Strategien gegen Kinderarmut und weiß, dass Kommunen viel beeinflussen können, wenn sie sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Lutz fordert eine „Kultur der Kooperation“ bei den Wohlfahrtsverbänden. Wichtig sei es, lokale Bündnisse zu schmieden und Netzwerke zu organisieren, die helfen, Kinder so früh wie möglich zu fördern und zu stärken. Ideal sei eine Präventionskette von der Geburt bis zur ersten Arbeitsstelle. Ein wichtiger Schritt sei es, Kindereinrichtungen wie KITAS und Kindergärten in Familienzentren umzugestalten. Sämtliche Hilfen, welche von den Familien benötigt werden, sollten in diesen Einrichtungen vertreten sein. Vereine sollten in die Schulen gehen, um Werbung für sich zu machen. Armen Kindern sollte eine kostenlose Teilnahme an den Vereinsangeboten ermöglicht werden. Insgesamt fordert Lutz eine Abkehr vom Defizitdenken, denn auch arme Menschen haben Ressourcen. Eine erfolgreiche Strategie zur Armutsbekämpfung müsse bei den Stärken der Menschen ansetzen.
Es gibt nichts zum Nulltarif
„Wenn wir Kinder in arme und nicht-arme spalten, haben wir schon verloren“, stellt Dr. Gisela Schulz während der anschließenden Podiumsdiskussion fest. Sie fordert größere Investitionen seitens des Staates in die Zukunft der Kinder, damit ihre Talente besser gefördert werden können. „Es gibt nichts zum Nulltarif in dieser Gesellschaft, wenn man etwas verändern will“, meint auch Ronald Lutz. Unsere Gesellschaft müsse die Entscheidung treffen, ob sie sich auf lange Sicht 20 Prozent Kinderarmut leisten könne. Antje Richter appelliert an die Politik, die Stärken jedes Einzelnen besser anzuerkennen und arme Menschen grundsätzlich mehr am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. „Viel hängt ab vom Wollen – und vom Geld“, fügt sie hinzu.
Konzept gegen Kinderarmut in Bonn
Ulrich Hamacher, Geschäftsführer der Diakonie Bonn, wies in seiner Abschlussrede darauf hin, dass in Bonn bereits ein lokales Bündnis zur Bekämpfung der Kinderarmut existiert. Das seit 2008 tagende Bonner Forum hat mittlerweile ein Konzept entwickelt, das helfen soll, Kinderarmut in Bonn zu verringern. Das Forum ist eine Initiative von insgesamt 58 Institutionen, die sich in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien engagieren.
Weitere Informationen zum Bonner Forum finden Sie hier.
Pressekontakt
Mechthild Greten, Pressereferentin des Caritasverbandes
Tel.: 0228/ 227 216 13
mechthild.greten@caritas-bonn.de
Downloads
Hier finden Sie die Skripte der Vorträge von Dr. Antje Richter und Prof. Dr. Ronald Lutz.
Und hier das Programm der Konferenz vom 20.03.2009.
Die Veranstalter
Diakonisches Werk Bonn und Region – gemeinnützige GmbH
Caritasverband für die Stadt Bonn e.V.