Kinder besonders von Armut betroffen
Arme Kinder - armes Deutschland
19,5 Milliarden Euro haben deutsche Kinder und Jugendliche im im Jahre 2007 ausgegeben: für Süßigkeiten und Fast Food, fürs Handy, für CDs und den Kinobesuch. Nicht wenige Kinder haben monatlich 50 Euro und mehr an Taschengeld zur Verfügung. Die Jüngsten in unserer Gesellschaft waren noch nie so reich wie heute. Dem gegenüber steht eine stetig wachsende Zahl an Kindern, die von Hartz IV leben und für ihren Lebensunterhalt mit monatlich etwas mehr als 200 Euro auskommen müssen. Das ist nicht einmal ausreichend Geld, um eine gesunde Ernährung sicherzustellen.
Drei Millionen arme Kinder
1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren leben derzeit von Transferleistungen, d.h. ihre Eltern beziehen Hartz IV. Diesen Kindern steht monatlich ein Betrag von 211 Euro (0-13 Jahre) bzw. 281 Euro (14-18 Jahre) zur Verfügung. Für Verpflegung sind täglich 2,56 Euro vorgesehen. Zählt man die Kinder von Sozialhilfeempfängern, Flüchtlingsfamilien und Illegalen sowie die Dunkelziffer hinzu, kommt man auf etwa drei Millionen Kinder, die derzeit in Deutschland auf oder sogar unter Sozialhilfeniveau leben. Kinder sind heute die am stärksten von Armut betroffene Gruppe unserer Gesellschaft. Besonders gefährdet sind Kinder von Arbeitslosen, Alleinerziehenden und Migranten.
Relative Armut oder absolute Armut?
Wenn in Deutschland von Kinderarmut die Rede ist, ist in den meisten Fällen von relativer Armut die Rede. Im Gegensatz zu Kindern in Entwicklungsländern, die teilweise in absoluter Armut leben müssen, sind junge Menschen in Deutschland nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Kinderarmut in Deutschland hat grundsätzlich viele Gesichter: Kinder kommen mit jahreszeitlich nicht angepasster Kleidung in die Schule oder ohne Frühstück. Sie können nicht am Mittagessen in der Schulkantine teilnehmen, weil ihre Eltern selbst geringe zusätzliche Summen nicht aufbringen können. Sie können keinen Geburtstag feiern. Ihnen fehlt Geld für Schumaterialien, Nachhilfe und Klassenfahrten. Sie leben mit ihren Familien in zu kleinen Wohnungen, oftmals in benachteiligten Stadtteilen.
Armutsfaktor mangelnde Bildung
Zu finanzieller Armut gesellt sich oft Bildungsarmut. Kinder aus benachteiligten Familien haben grundsätzlich eine geringere Chance auf gute Bildung, leiden häufiger an Sprach- und Kommunikationsdefiziten. Eltern können ihre Kinder nicht unterstützen, sei es aus Zeitmangel oder aufgrund fehlender Bildung. Arme Kinder müssen eher eine Klasse wiederholen. Von armen Kindern wird öfter verlangt, möglichst früh die Schule zu beenden, um selbst Geld zu verdienen.
Gesundheitliche Defizite
Kinder aus benachteiligten Familien sind eher von gesundheitlichen Defiziten betroffen, als Kinder aus wohlhabenden Familien. Sie haben häufiger schlechte Zähne und eine größere Anfälligkeit für chronische Erkrankungen. Da sich arme Menschen in der Regel schlechter ernähren als wohlhabende, sind arme Kinder häufiger übergewichtig. Außerdem leiden sie öfter an Verhaltensauffälligkeiten und emotionaler Instabilität.
Kein Geld für Kultur
Im Hartz IV Regelsatz ist für Kulturveranstaltungen kein Budget vorgesehen. Da es nur wenige kostenlose Kulturangebote gibt, sind arme Kinder auch im kulturellen Bereich weitgehend von einer Teilhabe ausgeschlossen. Kino- und Theaterbesuche, das Erlernen eines Intruments sind in der Regel nicht finanzierbar. Diese Kinder haben demnach weniger Möglichkeiten, sich auszuprobieren, ihre Talente zu entdecken und zu fördern.
Fehlende Teilhabe
Armut führt zu Störungen an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Störungen an der Teilhabe führen zu Kontaktarmut, dem Fehlen von Netzwerken, schließlich zu sozialem Rückzug. Arme Kinder haben deshalb insgesamt geringere Chancen auf eine glückliche und erfolgreiche Zukunft. Stattdessen besteht die Gefahr, dass sie in einen Teufelskreis aus Armut geraten, dem sie ohne fremde Hilfe nicht entrinnen können. Oftmals geben sie ihr eigene Chancenlosigkeit an ihre Kinder weiter.
3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
"Gute Bildung muss im frühen Kindesalter beginnen und ist unabdingbare Voraussetzung für gute Ausbildungs- und Beschäftigungschancen." (mehr...)
"Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an."
(UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 27)
Kultur kostenlos
In der Stadtbibliothek Bonn können Kinder und Jugendliche kostenlos Bücher aus der Kinder- und Jugendabteilung ausleihen. Außerdem bietet die Bibliothek kostenfreie Internetkurse an und in den Sommerferien einen SommerLeseClub. (mehr...)


